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MERCK-PROZESS IN BUCHFORM

MERCK-PROZESS IN BUCHFORM
EIN JAHR NACH DEM URTEIL DES BUNDESGERICHTSHOFS ERSCHEINEN DIE EREIGNISSE IN GEDRUCKTER FORM


Darmstadt (pdh) - Exakt vor einem Jahr, am 4. Februar 2004 zog der Bundesgerichtshof (BGH) einen Schlussstrich unter den fünfeinhalb Jahre laufenden so genannten Merck-Prozess vor dem Landgericht in Darmstadt. Vorausgegangen war ein Mammutprozess, der gekennzeichnet war durch viele Besonderheiten. Erstmals in der neueren Justizgeschichte hatte eine Staatsanwaltschaft sich geweigert, Beschlüsse eines Landgerichts zur Durchsuchung eines Unternehmens umzusetzen, was bei den Prozessbeteiligten und der stark vertretenen Presse den Verdacht erweckte, die handelnden Staatsanwälte steckten mit einem örtlichen Chemie- und Pharmaunternehmen unter einer Decke. Gemeinsam war versucht worden, einem Abteilungsleiter die Verantwortung für drohende Verluste in Millionenhöhe im Verlauf der Asienkrise 1998 aufzubürden.



Der damalige angeklagte Mitarbeiter der Firma, der nach über dreißig Verhandlungstagen und vierjähriger Prozessdauer freigesprochen und ein Jahr später vom BGH endgültig rehabilitiert wurde, geht in seinem Buch, das im Frühsommer erscheint, noch weiter. Er beschreibt die Besonderheiten des Falles, eine seltsame Reise eines Staatsanwalts nach Fernost, der einen Zeugen dort vor Ort vernommen haben will, aber die Zeugenvernehmung später aus der Erinnerung aufschreibt und die Presse falsch informiert, einen hochrangigen Polizisten, der den offiziellen Auftrag erhält, nur Belastungsmaterial zu sammeln und Entlastendes zu ignorieren. Spendengelder des Unternehmens für einen Landtagswahlkampf sollen nachträglich Druck auf das Hessische Justizministerium und mittelbar auf die Darmstädter Staatsanwaltschaft erzeugen, den Prozess mit gewünschtem Ausgang zu beenden. Zeugen aus dem Unternehmenskreis werden beeinflusst und müssen sich vor ihren Aussagen die Firmenschriftsätze durchlesen.

Der Vorstandsvorsitzende des Pharmariesen sagt im Prozess nicht die Wahrheit und zerbricht vor Aufregung seine Brille, vier Jahre lang gelingt es Unternehmen und Staatsanwaltschaft, entscheidende Unterlagen vor dem Landgericht und der Verteidigung zu verstecken. Im Umfeld von Nachfolgekämpfen um die Firmenleitung ergibt sich spannender Stoff um vorbereitete Zeugenaussagen, Privatdetektive, firmeneigene Einschüchterungs- bzw. Schlägertrupps, falsche eidesstattliche Erklärungen eines Chefjustitiars und ein noch immer laufendes Ermittlungsverfahren gegen drei Anwälte im Dienste des Unternehmens wegen vollendeten Prozessbetruges und sehr viel kriminelle Energie beim Versuch, einen Mitarbeiter mit falschen Vorwürfen zu überziehen. Gelernt hat der heute Vierundfünfzigjährige mittlerweile, dass die Justiz zusammenhält, und auch gegen das Recht brechende Staatsanwälte keine Rechtsmittel existieren, weil die Berufgruppe bis in höchste Kreise zusammenhält, so sagt er heute resignierend. Unter dem Titel "Aus Darmstadt in alle Welt" erscheint das Paperback zum Preis von 19,80 Euro im Juni 2005.

Nachricht vom 5.2.05 08:35

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Letzte Aktualisierung: Donnerstag, 20. Juni 2013 - BP tmpl

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